A night at the Molineux: Wolverhampton – Newcastle

Nach dem vierten (und endlich erfolgreichen!) Besuch in Anfield bei Liverpool-Bournemouth stand noch eine zweite Partie an: Das Spiel der Wolverhampton Wanderers gegen Newcastle United im Molineux.

Organisation

Karten waren für dieses Spiel gar nicht so leicht zu bekommen. Wolverhampton ist in der Premier League als Aufsteiger wirklich gut unterwegs, dementsprechend groß ist auch die Nachfrage. Wir ergatterten gerade noch Karten im freien Vorverkauf im obersten Eck des Stan Cullis Stand. Rundherum einige Touristen, vor uns ein Fan aus Österreich. Die Karten kosteten 27 Pfund pro Person, vollkommen in Ordnung für die Premier League. Das Spiel war schlussendlich ausverkauft, an den Tageskassen war nichts mehr zu bekommen.

Die Universitätsstadt Wolverhampton ist mit dem Pendlerzug rund 15-20 Minuten von Birmingham entfernt, alternativ gibt es auch die Straßenbahn von Birmingham aus, welche in etwa doppelt so lange fährt. Ein Irrglaube ist, dass Wolverhampton ein Vorort Birminghams sei – Wolverhampton hat alleine rund 250.000 EinwohnerInnen und ist die dreizehntgrößte Stadt Englands. Wer nur für das Spiel anreist, dem kann ich die Redwings Lodge in Gehweite zum Stadion empfehlen. Einfaches Hotel, die Übernachtung kostete nur 20 Pfund am Spieltag.

Das Stadion – The Molineux

Bereits seit 1889 steht das Molineux und wird von den Wolverhampton Wanderers bespielt. Benannt wurde es nach Benjamin Molineux, einem in der Gegend ansäßigen Kaufmann aus dem 17. Jahrhundert, dem dieses Anliegen einmal gehörte. Die Molineux-Familie emigrierte im 14. Jahrhundert nach England und bot unter anderem Flüchtlingen im Rahmen der französischen Revolution Unterschlupf. In etwa auf dem selben Gebiet steht heute das Molineux Stadium. Wie bei vielen anderen englischen Stadien hatte auch hier Archibald Leitch seine Finger im Spiel. Das Stadion ist bereits aus der Ferne sehr gut zu sehen, das Molineux blickt auf einem Hügel in der sonst eher flachen Umgebung hervor. Vor dem Stadion ist eine Statue der Vereinslegende Billy Wright zu sehen (vor dem gleichnamigen Billy Wright Stand).

Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Stadion als das modernste Stadion Englands, auch heute ist es durch viele Umbauten (uA eine Komplettrenovierung bis 1993, um den Spielbetrieb aufgrund der verpflichtenden Sitzplatzstadien zu gewährleisten) ein modernes, gut erhaltenes Stadion. Charakteristisch ist die Steile des Stan Cullis Stand, welcher vor einigen Jahren fertiggestellt wurde. Wolverhampton war außerdem in den Paradejahren der Vereinsgeschichte in den 1950er-Jahren der erste Club mit Flutlichtanlage und lud zu zahlreichen Spielen ein, die auf BBC übertragen wurden. Heute fasst das Stadion rund 31.000 Sitzplätze.

Das Spiel

Wolverhampton war vor diesem Spiel als Aufsteiger auf Platz 7 in der Tabelle. Sehr respektabel, verwundert aber nicht bei einem näheren Blick auf den Kader. Viele Portugiesen im Kader, die dem Spiel den Stempel aufdrücken. Auf der anderen Seite Newcastle unter Rafa Benitez, nach wie vor in akuter Abstiegsgefahr.

Ausverkauftes Haus in Wolverhampton, eine gute Stimmung von Beginn an für englische Verhältnisse an einem Montagabend. Ein wenig übertriebene Lichtspiele vor Anpfiff, die eher an ein NBA-Spiel erinnerten, aber auch teils lautstarke Unterstützung von den Rängen. Im Vergleich zu Liverpool war es auf unseren hochgelegenen Sitzplätzen ziemlich frisch, man sitzt auf einer Seite förmlich „im Freien“, erinnert ein wenig an einen Sitzplatz im oberen Rang am Rand der Nordtribüne im damaligen Gerhard-Hanappi-Stadion.

Spielerisch wurden die zuvor erwähnten Portugiesen ein wenig zum Problem für die Hausherren an diesem Abend. Viel zu oft ein Haken zu viel, der Ball sollte förmlich ins Tor getragen werden. 0:0 zur Pause, dennoch ein ansprechendes Spiel.

In der zweiten Halbzeit wurde die Leichtigkeit im Spiel der Hausherren bestraft, Newcastle ging nach einem Tormannfehler von Rui Patricio (der mit der Rückennummer 11 spielt) mit 1:0 (Hayden, 55. Minute) in Führung. Danach ein eher schwaches Spiel der Hausherren mit vielen Fehlpässen, Newcastle konnte die Kontermöglichkeiten hingegen nicht ausnutzen. In der 95. Minute dann doch noch der nicht mehr erwartete Ausgleich: Nach einer hohen Flanke kommt Boly vor Torhüter Dubravka an den Ball und erzielt das 1:1. Bereits beim ersten Spiel in Newcastle hatte Wolverhampton in der 94. Minute das entscheidende Tor, damals gar für den Sieg, erzielt.

Fazit

Ein sehr ansprechendes Stadion, gehört sicher zu den bisher interessantesten Stadien, die ich in England gesehen habe. Dazu obendrauf eine für britische Verhältnisse günstige Eintrittskarte, hat sich gelohnt.

Ob man das Molineux jetzt dem relativ nahegelegenen Villa Park vorziehen sollte, sollte man selbst entscheiden (ich habe hier darüber berichtet), von der Stadt habe ich zu wenig gesehen, aber schlimmer als Birmingham geht in meinen Augen nur schwer 😉

 

 

 

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