Your nightmare is back again: Auf Besuch bei Aston Villa

Aston Villa – ein wohlklingender Name im grün-weißen Umfeld. Nach den beiden Aufstiegen Rapids in den Europa League-Play-Off-Duellen 2009/10 und 2010/11 hat sich allerdings auf beiden Seiten viel getan. Der Verein aus dem Birminghamer Stadtteil Aston spielt seit heuer nur mehr in der Championship, der zweithöchsten Spielklasse Englands – und ist auch dort unter ferner Liefen.

Aus Zeitgründen verschlug es mich damals zu keinem der beiden legendären Auftritte im Villa Park. Da Birmingham aber nun auf dem Weg zum eigentlich angepeilten Ziel Liverpool lag und der Spielplan ein Erbarmen hatte, war es höchste Zeit, dem Ground einen Besuch abzustatten. Villa hatte an diesem Tag ein Heimspiel gegen Wigan zu bestreiten – es war das Duell des 16. gegen den 23. der Liga. Abstiegskampf pur! Der starke Regen in Birmingham tat sein Übriges und sorgte für britische Verhältnisse.

Die Tickets wurden bereits im Vorhinein im Online Sale erworben, um 25 Pfund in Reihe 4 auf dem Trinity Road Stand (Haupttribüne) hätte man in der Premier League wohl letzte Saison keine Karte bekommen. Bereits seit 1897 spielt Aston Villa in der oftmals renovierten und adaptierten Heimat. Ein weiterer Ausbau auf 50.000 Plätze steht kurz bevor.

Ob sich diese Aufstockung aber wirklich auszahlt, bleibt abzuwarten: An diesem Nachmittag fanden sich „nur“ 30.000 Zuschauer ein. Dennoch respektabel für ein Spiel gegen den Tabellenvorletzten der zweithöchsten Spielklasse.

Das Spiel

Auf der Flucht vor dem Regen fanden sich die Zuschauer an diesem Nachmittag untypisch früh im Stadion ein. Die Stadionkantinen dürften den neuesten Trend erkannt haben und verkaufen hauptsächlich Pulled Pork – dazu soll jeder sein eigenes Urteil fällen. Der Ansturm hielt sich in Grenzen. Besser besetzt wirkten da schon die Hot Dog- und Burgerstände unter den regengeschützten Gebieten rund um das Stadion.

Durch den Platz ganz vorne lag die Trainerbank in Hörweite, jede Aussage drang somit – wenn der Dialekt verständlich war – an unser Ohr. An diesem Nachmittag handelte es sich dabei nahezu ausschließlich um Flüche, das Spiel hatte ein erschreckendes Niveau. Die Hausherren mit der Barisic’schen Spielanlage, den Ball ins Tor tragen zu wollen, was oftmals schon 30 Meter vor dem Goal zu großen Problemen führte. Im Gegenzug Wigan mit Konterversuchen – ob des nassen Rasens kam jedoch kaum ein Pass bei einem Mitspieler an. So ging das ganze Spektakel 87 Minuten lang hin und her – das Niveau lag unter dem der meisten Spiele in der österreichischen Bundesliga. Auch stimmungsmäßig war, bis auf einige Anfeuerungsrufe, sehr wenig zu vernehmen. In Minute 88 kam Jack Grealish (endlich!) auf die Idee, es mit einem Weitschuss zu versuchen – ein Schlenzer ins Kreuzeck, ein Traumtor, das wichtige 1:0 für Aston Villa. Trainer Steve Bruce rannte vor Freude auf das Spielfeld.

Das letzte Highlight war die Einwechslung von Will Grigg auf Seiten Wigans in der 89. Minute (ohne Euro-Fangesänge), zu einer Torchance kam er jedoch nicht mehr. Wigan bleibt damit in der Gefahrenzone, Villa entfernt sich acht Punkte von einem Abstiegsplatz. Dass es nicht automatisch schlechte Spiele in dieser Tabellenregion gibt, bewiesen wenige Kilometer entfernt Wolverhampton und Fulham: Das Spiel endete 4:4 und wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Die Reise Richtung Stadtzentrum gestaltete sich anschließend nicht weniger mühsam als das Spiel, die nächste Zugstation ist rund 1,5 Kilometer entfernt.

Fazit

Zu einem dritten Duell mit Aston Villa wird es in naher Zukunft für Rapid wohl nicht kommen. Selbst der Wiederaufstieg liegt derzeit in weiter Ferne, wenn man die Leistungen von weiteren Premier League-Absteigern wie Newcastle im Vergleich dazu betrachtet. Wer ein „echtes“ englisches Stadion ohne Laufbahn und modernem Arenaflair erleben möchte, ist im Villa Park aber nach wie vor gut aufgehoben.

(zuvor veröffentlicht auf forzarapid.at)

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